Die schöne Zeit geht wieder heim

Theaterprojekt von Menschen mit und ohne Demenz
Seit Mitte Februar treffen sich zwei Improvisationsschauspieler mit achtzehn Laiendarstellern mit und ohne Demenz regelmäßig im Altenpflegeheim St. Marienhaus in Konstanz. Im Zentrum der Treffen steht die Lebensrealität dementiell veränderter Menschen; zweieinhalb Monate lang wurde hier szenisches Material zusammengetragen. Die Autorin Hilde Schneider hat daraus ein Stück gemacht, das den Titel Die schöne Zeit geht wieder heim trägt, und das – nach weiteren zwei Monaten Probenarbeit – ab 25. Juni auf der Werkstattbühne zu sehen sein wird.

Wie bei allen ihren Projekten arbeitet die Regisseurin Heinke Hartmann auch hier wieder mit Laien, die Experten für ihre Lebenssituation sind: Wie Blinde Experten für das Nichtsehen sind (Ich sehe was, was du nicht siehst, Theaterprojekt mit Blinden und Sehenden, 2008), sind Demenzkranke Experten für das Vergessen.

Theater belebt

Zwei der Hauptdarsteller, eine davon im Alter von 95 Jahren, reisen regelmäßig aus einem Heim in Winterthur in der Schweiz an, die anderen kommen aus Konstanz und Umgebung. „Die alten Menschen genießen die Aufmerksamkeit sehr. Die Schauspielerei belebt sie“, erklärt Hartmann. Auch die Angehörigen und Betreuer bestätigen, dass das Theaterspielen und die gleichberechtigte Arbeit mit Menschen anderer Altersgruppen den Senioren gut tut: bei Musik, Gesang, Sprech- und Improvisationsübungen bringen sie ihre Talente und Fähigkeiten voll zum Einsatz und überzeugen durch ein hohes Maß an Konzentration und Authentizität.

Ein Stück aus Lebensgeschichten

In einer Vorbereitungsphase, die der konkreten Arbeit am Stück vorausging, kamen auch Angehörige und Betreuer der dementiell erkrankten Darsteller zu Wort. „Wir haben mit ihnen über die Lebensgeschichten gesprochen, über Alltagsrituale, die Sicherheit vermitteln, aber auch über Ängste und Schwierigkeiten, die durch die Krankheit entstehen“, erklärt Heinke Hartmann. Auch die Ergebnisse dieser Gespräche sind  ins Stück eingeflossen. Seine zentrale Handlung lässt sich wie folgt zusammenfassen: An Bord eines Schiffes kommen die Passagiere im Salon zusammen und leisten sich Gesellschaft beim Erinnern und Vergessen. Und während sie mit Singen, Rätseln, Reden und Schweigen die Zeit vertreiben, wiederholt sich, ganz nebenbei, das ewige Spiel des Lebens: zwei junge Menschen verlieben sich ineinander. Bühnenfotos >>

Ein Projekt – viele Unterstützer
Das Theaterprojekt findet in Kooperation mit dem Caritasverband Konstanz e.V., dem Kreisseniorenrat und dem Theater Konstanz statt und ist nur dank vieler Förderer möglich. Der Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg, der Kulturfonds der Stadt Konstanz, der Fonds Soziokultur der Kulturstiftung des Bundes sowie mehrere Caritas Stiftungen und Spenden finanzieren das Projekt. Günter Tomberg, Vorstand des Caritasverbands Konstanz e.V., Mit-Initiator und Förderer, liegt das Projekt besonders am Herzen: „Demenz ist für uns momentan ein wichtiges Thema. Daher schaffen wir in Konstanz auch das neue Haus Don Bosco für Demenzkranke.“ Mit dem Theaterprojekt möchte die Caritas das Thema Demenz nun verstärkt an die Öffentlichkeit bringen.

Interview mit Heinke Hartmann (zum Herunterladen: pdf-Datei 76 KB)




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